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Spanien wächst

Artikel Nr. 2 / Wirtschaftsmagazin IHK Regensburg / Februar 2003
THE WORLD, YOUR MARKET

Insiderwissen und das richtige Eingehen auf den Geschäftspartner bilden eine wesentliche Voraussetzung für das richtige Handling des Weltmarktes.

Den richtigen Einstieg in Auslandsprojekte zu finden ist wegen der Sprachbarriere und den traditionell gewachsenen Strukturen oft schwierig. Vorbereitung und Bewusstsein eigener Initiativen und Kapazitäten bilden die Basis für den Erfolg.
Zu diesem Zweck setzen wir heute unsere Reihe von Artikel fort, die zur Erkennung interkultureller Unterschiede und damit zur Entdeckung internationaler Märkten dienen soll.

Spanien wächst
Spanien hat in 2002 trotz des unsicheren weltwirtschaftlichen Umfelds ein im EU-Vergleich leicht überdurchschnittliches Wachstum beibehalten können. Alle Bereiche der nationalen Wirtschaft haben sich inzwischen an das Niveau der europäischen Nachbarn angeglichen.

Daten und Fakten
Mit 505.990 Quadratkilometern Fläche ist die iberische Halbinsel - mit Balearen, Kanaren, Ceuta und Melilla (Nordafrika) – ca. ein Drittel grosser als Deutschland.

Spanien gehört mit rund 40 Mio. Einwohnern zu den fünf bevölkerungsreichsten Staaten der Europäischen Union. Jeweils ein Achtel der Gesamtbevölkerung lebt in den Metropolen Madrid und Barcelona. Weitere Ballungszentren sind Bilbao, Sevilla und Valencia. Die regionale Wirtschaftsstruktur ist von großen Unterschieden zwischen den 17 autonomen Regionen geprägt. Andalusien erwirtschaftet knapp 30 % der landwirtschaftlichen Produktion Spaniens. Die wichtigsten Industrieregionen sind dagegen Barcelona, Madrid und das Baskenland. Dabei ist der Dienstleistungssektor stark auf Madrid konzentriert. Besonders wichtig ist für Spanien die Tourismusbranche: Über 50 Millionen Touristen reisen jedes Jahr in das Land.
Schon allein die unterschiedlichen klimatischen Gegebenheiten legen nahe, dass hier keine einheitliche Kultur existieren kann: Andalusier, Aragoneser, Katalanen, Kanarier, Basken und Madrileños. So unterschiedliche Menschengruppen konnte natürlich nur ein Land hervorbringen, das sich so vielgestaltig gibt.
Spanien wird heiß geliebt für seine sonnigen Gefilde und seine weißen Strände. Genau unter dieser Liebe aber hat das Land auch zu leiden. Klischees reduzieren die Wirklichkeit immer auf isolierte Häppchen, das gilt für die spanische Kultur genauso wie für seine Küche: Paella und Tintenfisch, Rotwein und Sangría haben sich in kulinarischen Phantasien über Spanien so breitgemacht, dass kaum Raum blieb für neue Entdeckungen.

Außenhandel
Die Nachfrage, sowohl bei Konsumenten als auch bei Unternehmen, wird in den kommenden Jahren vom nationalen Angebot nicht gedeckt werden. Dies gilt insbesondere für Konsumgüter des gehobenen Bedarfs und technisch hochstehende Investitionsgüter zur Modernisierung von Betriebsanlagen. Dies entspricht den bisherigen Schwerpunkten im Warenangebot Deutschlands im Spaniengeschäft.
Die bisherigen und wieder zu erwartenden Kostensteigerungen für spanische Exporteure beeinträchtigen weiterhin deren Wettbewerbsfähigkeit. Im Deutschlandgeschäft stehen (preissensible) langlebige Konsumgüter sowie Lebensmittel im Vordergrund. Bei diesen dürften Preissteigerungen schwer durchzusetzen und deshalb Zunahmen der Ausfuhren kaum zu erwarten sein.
Wichtigste spanische Exportgüter sind Automobile, landwirtschaftliche Produkte (Obst, Gemüse, Wein), Ausrüstungsgüter, chemische Erzeugnisse. Wichtigste Importgüter sind Energieträger, Automobile, Maschinen, Elektronik sowie chemische Erzeugnisse.

Die Leute
Ausländische Besucher sind in Spanien immer willkommen. Entfernt von den touristischen Zentren, stellt man sehr schnell fest, dass die Spanier meist eine Mischung aus Stolz und Minderheitsgefühl zeigen. Unter diesem „Torero“ - Stolz hat der Spanier auch zu leiden, vor allem wenn es um Geld geht: Kein Spanier würde von dem Gläubiger die restlichen Eurocents verlangen: „No importa“ („passt schon“) lautet die Devise. Fremdsprachenkenntnisse sind wenig verbreitet. Zwar haben alle in der Schule Englisch gelernt, doch niemand möchte sich mit Fehlern blamieren. Für die Verständigung mit dem Fremde genügt es „natürlich“, Spanisch langsam zu reden.
Außer Castellaño (74%), in Spanien wird auch Katalanisch (17%), Galizisch (7%) und Baskisch (2%) gesprochen.

Wirtschaft
Es wird davon ausgegangen, dass die Baubranche weiterhin Wirtschaftsmotor bleibt, zusammen mit dem Kommunikationssektor, nicht zuletzt aufgrund der staatlichen Investitionen in die Infrastruktur. Auch die Energiebranche und verkaufsorientierten Dienstleistungen (Handel, Hotellerie, Transportwesen, etc.) erwarten eine leichte Verbesserung, während die Industrie um 3,1% wachsen soll, wenn hier auch das Vertrauen der Unternehmerschaft noch nicht völlig wiederhergestellt ist. Tourismus und Export sollen im Zeitraum 2002-2003 wieder Zuwachsraten verzeichnen.
Im Hinblick auf einzelne Bereiche konnten “Tabakproduktion und –vertrieb” sowie “Luft- und Seetransport” erfreuliche Ergebnisse verzeichnen. Erwähnenswert ist auch, dass der Agrarsektor zum ersten Mal seit sieben Jahren neue Arbeitsplätze geschaffen hat.
Spanien ist weltweit der sechstgrößte KfZ- Erzeuger, in Europa liegt es knapp hinter Frankreich auf dem dritten Platz.

Prognosen über die wirtschaftliche Entwicklung
Der seit fünf Jahren anhaltende Aufschwung der spanischen Wirtschaft flacht seit Anfang 2001 merklich ab. Für 2003 ist aber nach wie vor mit einem deutlich über dem EU-Durchschnitt liegendem Wachstum zu rechnen. Die Voraussagen liegen bei 3%. Der Ausgleich des Staatshaushalts wird als Ziel für 2003 von der Regierung aufrecht erhalten, gleichzeitig geht man von einer Senkung der Arbeitslosenquote von 12,4% auf 12,0% aus. Nach Abschwächung der Konjunktur bei den wichtigsten Handelspartnern waren im Jahr 2002 kaum Impulse aus dem Export spürbar.

Spanien ist ein attraktiver Investitionsstandort. Hauptinvestor sind die EU Partner (2000: 55%). Größter Einzelinvestor sind die USA, gefolgt von Großbritannien und den Niederlanden. Deutschland folgt an 7. Stelle. Aber auch die spanische Wirtschaft hat sich stark internationalisiert und engagiert sich zunehmend im Ausland. Hauptzielregion ist dabei Lateinamerika, wohin ca. 2/3 des spanischen Auslands-Investitionskapitals geflossen sind. Dementsprechend sind die spanischen Unternehmen von der Argentinien-Krise besonders betroffen.

Kontaktadresse
Deutsche Handelskammer für Spanien
Cámara de Comercio Alemana para España
Avda. Pío XII, 26-28
28016 Madrid

Tel: ++34 91 353 09 10
Telefax: ++34 91 359 12 13

Rosa Alcalá Lombardo, Fachübersetzungen Alcalá, Regensburg

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