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FAILTE GO EIREANN: WILLKOMMEN IN IRLAND
Artikel Nr. 3 / Wirtschaftsmagazin IHK Regensburg / März 2003
THE WORLD, YOUR MARKET

Isn’t it a nice day?
Naturliebhaber zieht es schon lange nach Irland. Einsame Buchten, in denen nur das Gekreische der Vögel und das Wellenrauschen die Ruhe unterbrechen, Dörfer von sprödem Charme, Küsten, an denen die Klippen steil in die Tiefe fallen. Bekanntschaften sind schnell geschlossen, denn die Iren, diese melancholisch-heiteren Geschichtenerzähler, sprechen jeden an. Standardthema ist das Wetter: „Isn’t it a nice day?“, hört man bei Regen und Sturm, auf sonnigen Höhen und in einsamen Tälern.

Städte und Dörfer haben Persönlichkeit
Failte go Eireann: Welcome to Ireland – die Landessprache ist Englisch. Die Angaben darüber, wie viele Menschen heute noch in der Lage sind, Gälisch zu verstehen und zu sprechen, sind höchst unterschiedlich und bewegen sich zwischen fünf und zehn Prozent. Daneben existieren eine ganze Reihe unterschiedlicher Dialekte: Corkonisch wird zum Beispiel von den Corkonians, den Einwohnern Corks, der zweitgrößten Stadt des Landes, gesprochen. Und das Corkonische, so wird selbstbewusst dargelegt, ist verwurzelt mit dem Normannischen, dem Altfranzösischen und dem Englischen des Mittelalters. Selbst Elemente des indischen Hindi seien in diesem Dialekt zu identifizieren.
Die Größe der irischen Städte ist eher bescheiden. Dublin, die Hauptstadt des Landes, zählt um die 500.000 Einwohner (nur mit den zahlreichen neuen Vorstädten und den umliegenden Kleinstädten kommt man auf die eine Million, die gern von den Bewohnern angegeben wird), Cork etwa 140.000, und Limerick, die drittgrößte Stadt, zählt nur noch 75.000 Einwohner. Die Städte haben einen höchst eigenwilligen Charme. Sie tragen – wie auch jedes Dorf – Persönlichkeit. Wohlgemerkt: Persönlichkeit, erst in zweiter Linie Schönheit. Der schnellste Weg, diese Persönlichkeit kennenzulernen und zu entdecken, ist Nähe. Das heißt für Irland: spazieren gehen und schauen, was auf den Straßen passiert, wer sich mit wem trifft, wo und ab wann die Zeitung vom Straßenhändler verkauft wird.

„Als Gott die Zeit machte, hat er genug davon gemacht“
Eine Reise nach Irland ist immer auch eine Reise in die Vergangenheit. „Als Gott die Zeit machte, hat er genug davon gemacht“, schreibt Heinrich Böll in seinem „Irischen Tagebuch“, was nichts anderes heißen soll, als dass sich auch der Urlauber für gemächliches Reisen Zeit nehmen und keine Ungeduld aufkommen lassen soll. Zum Beispiel, wenn der Schiffsverkehr auf die kleine irische Insel erst am nächsten Tag wieder aufgenommen wird oder wenn es regnet und der geplante Ausflug ins Wasser fällt. Treffend ist die Anekdote, nach der ein Mexikaner einen Iren fragte, welches das irische Wort für „mañana“ (morgen) sei, und der Ire antwortete: „Wir kennen kein Wort, das eine solche Eile ausdrückt“.

Bastion der Kirche
Irland ist nach wie vor eine Bastion der Kirche und des Papstes. Die katholische Kirche ist keine Staatskirche, aber der Katholizismus ist fest verankert im irischen Alltag (91 Prozent der Bevölkerung sind katholisch) und im Rechtssystem. Schwangerschaftsabbruch wird im schlimmsten Fall mit lebenslanger Haft bestraft. Für die Legalisierung der Scheidung und eine entsprechende Änderung der Verfassung fand sich bei einer Volksbefragung nur eine knappe Mehrheit. Das Schulsystem liegt ebenfalls in der Hand der katholischen Kirche, wenn auch der Staat bezahlt. Bigotterie wird von vielen beklagt.

Ein großartiger Platz
Das milde irische Klima und häufige kurze Regenschauer haben eine einzigartige Vegetation geschaffen, die in Europa ihresgleichen sucht. Insbesondere in den verschwenderisch angelegten irischen Gärten gedeiht eine ungeheure Vielfalt an Bäumen, Büschen, Sträuchern und Blumen. Häufig umgeben parkartig angelegte Gärten, teilweise mit Golfplatz, ein historisches Schloss, eine Burg oder einen Gutshof. Vor über einem Jahrhundert geschaffene kunstvolle Anlagen mit majestätischen Rosenarrangements, exotischen Palmen, Rhododendren, Lilien, Farnen und Kamelien, mit kargen Steingärten und Wasserspielen wurden harmonisch in die sie umgebende Landschaft mit ihren Bergen, Seen und Hügeln integriert.

Das feuchtmilde irische Klima hat eine unvergleichliche Landschaft geschaffen. Rechts und links der holprig-schmalen Straßen identifiziert man auf Anhieb die vielbesungenen „forty shades of green“. Im lichten Schatten von Ahorn und Kiefer und von jahrzehntealten Baumriesen blühen Azaleen und Rhododendren, wachsen Farne und Gräser, Fuchsienhecken säumen die Wege.

Die Grüne Insel blüht auch wirtschaftlich auf
Erfreut ist man über die jüngste wirtschaftliche Entwicklung, die Irland aus dem Schatten Großbritanniens herausführte. Denn die Grüne Insel wurde international zu einem attraktiven Industriestandort und zog eine Reihe von Firmen aus den Bereichen Elektronik, Telekommunikation und Pharmazeutik an. Der Export nahm daher in den vergangenen Jahren enorm zu, und mit ihm erhöhte sich der Wohlstand: Autoimporte und Grundstückspreise gingen in die Höhe. Irland gehört heute zu den wenigen EU-Staaten, die sich fast mühelos für die Europäische Währungsunion qualifiziert haben. Mit bedeutender Finanzhilfe der Europäischen Union, die den irischen Haushalt entlastete, konnte ebenfalls die regionale Förderung vorangetrieben werden, zum großen Teil im Bereich des Tourismus.

Auslandsinvestitionen
Der wichtigste Wirtschaftszweig ist der Dienstleistungssektor (62%), gefolgt von Industrie (29%) und Landwirtschaft (9%). Zu den USA, wo über 40 Mio. Amerikaner irischer Abstammung und zeitweilig niedergelassene Iren leben, besteht ein politisch und wirtschaftlich enges Verhältnis. Die USA sind mit Abstand der bedeutendste ausländische Investor (23% aller US-Investitionen in Europa erfolgen in Irland).
Das Steuersystem in Irland ist noch wesentlich dadurch geprägt, dass für produzierende Kapitalgesellschaften (Manufacturing Companies) bei Gewinnen aus Produktion und Vertrieb von in Irland hergestellten Erzeugnissen ein begünstigter Körperschaftsteuersatz von 10% zur Anwendung kommt. Der gleiche Steuersatz gilt für Unternehmen auf dem Gebiet der Finanzdienstleistungen, soweit sie in der dafür speziell ausgewiesenen Zone im Finanzdienstleistungszentrum Dublin angesiedelt sind (Dublin Docks Financial Services Center). Der 10%ige Körperschaftsteuersatz gilt zudem für bestimmte Unternehmen spezieller weiterer Branchen. Dieser Steuersatz für die in Irland erwirtschafteten Gewinne kann auch für irische Betriebsstätten ausländischer Unternehmen zur Anwendung kommen, wenn diese als Kapitalgesellschaften organisiert sind (für Deutschland: GmbHs, AGs).
Jede steuerplanerische Grundüberlegung ist daran auszurichten, wie die Steuersituation in Irland mit der in Deutschland zusammenwirkt; hierbei ist insbesondere auf die Regelungen im deutsch-irischen Doppelbesteuerungsabkommen einzugehen.
Begünstigt sind auch bestimmte Gewinne aus dem Großhandel mit irischen Produkten.

Kontaktadresse:
Deutsch-Irische Industrie-und Handelskammer
46 Fitzwilliam Square, Dublin 2 - Irland
Tel. +353 - 1 - 676 - 29 34
Fax: +353 - 1 - 676 - 25 95

Rosa Alcalá Lombardo, Fachübersetzungen Alcalá, Regensburg.