

Artikel Nr. 1 / Wirtschaftsmagazin IHK Regensburg / Dezember 2002
THE WORLD, YOUR MARKET
Die Welt, und mit ihr der Markt, ist kein in Blöcke unterteiltes
Gebilde mehr, in dem jedes Element auf die benachbarten Elemente ausgerichtet
ist, sondern sie hat sich in ein großes Netzt verwandelt, das sich nach
allen Richtungen ausdehnt.
Niemals zuvor war es so wichtig insbesondere für kleinere und mittlere Unternehmen,
Auslandsprojekte in den Vordergrund zu bringen. Vorbereitung und Bewusstsein eigener
Initiativen und Kapazitäten bilden die Basis für den Erfolg.
Zu diesem Zweck starte ich heute eine Reihe von Artikeln, die zur Erkennung interkultureller
Unterschieden und damit zur Entdeckung internationaler Märkten dienen sollen.
Die Schlussfolgerungen sollte dann jeder für sich ziehen…
Japan
– Land der Gegensätze
Das „Reich der aufgehenden Sonne” ist in Asien die Industrienation
mit dem höchsten Stand an Technik und Wissen und der besten Schulbildung,
gleichzeitig aber auch ein Hort der sorgfältig gepflegten Traditionen. So
gibt es ein Japan des Stahlbetons und der Kunststoffmöbel, daneben aber auch
ein Japan der Papierfenster und der Tatami, jener Bodenmatten aus Stroh- und Binsengeflecht,
mit denen die traditionellen Häuser ausgelegt sind.
Inseln und Berge
Japan ist ein Land der Inseln, Küsten und Gebirge. Neben den vier Hauptinseln
– Hokkaido im Nordosten, Honshu und Shikoku in der Mitte und Kyushu im Südwesten
– gibt es noch 3.900 kleinere Eilande. Der ganze Archipel erstreckt sich
halbkreisförmig über 3.000 Kilometer, so weit wie von Hamburg bis Kairo,
wobei allerdings der nördlichste Punkt etwa auf der Höhe von Mailand
und der südlichste fast am nördlichen Wendekreis liegt.
Vom Westen verändert – aber nicht verwestlicht
Mit 378.000 Quadratkilometern Fläche ist Japan fast ein Drittel kleiner als
Frankreich und fünf Prozent größer als Deutschland. Die Bevölkerung
von 125 Millionen übertrifft aber die aller europäischen Länder
mit Ausnahme Gesamt-Rußlands. Die Mehrheit der Einwohner lebt in den Großstädten
und deren Umland.
Das Land ist vom Westen verändert, jedoch nicht eigentlich verwestlicht worden.
Die Japaner haben es immer wieder meisterhaft verstanden, materielle und geistige
Einflüsse in spezifisch japanische Formen umzugießen und daraus etwas
Neues, Eigenes zu schaffen.
Der Fortschritt hat freilich auch häßliche, formlose Städte, eine
wild zersiedelte Landschaft, einen Wirrwarr aus grauen Holzbehausungen, Fabriken,
Schloten und greller Reklame hervorgebracht, über die sich Abgasschleier
ausbreiten.
Dies hat jedoch die alten Bräuche und die alte Kultur nicht auslöschen
können. Ein Beispiel mögen die vielen traditionellen Feste sein, ein
anderes das komplizierte Schriftsystem, das aus zwei japanische Silbeschriften
(hiragana und katakana) sowie chinesischen Schriftzeichen bestehen, von denen
knapp 2.000 zum üblichen
Schulpensum zählen. Dies geschieht offenbar mit großen Erfolg, denn
es gibt in Japan praktisch keine Analphabeten.
Japan übernahm den Buddhismus, der über Korea aus China ins Land kam,
im Jahr 552. Das Ziel dieser Religion ist die Erlösung vom Leiden durch das
rechte Wissen, und zwar durch die Erkenntnis der Nichtigkeit des isolierten Ichs
und durch Erfassung der All-Einheit.
Entwaffnende Freundlichkeit
Ausländischen Besuchern gegenüber sind die Japaner meist von entwaffnender
Freundlichkeit. Der Fremde, der sich verlaufen hat, braucht selten lange zu warten,
ehe ihn eine freundliche Stimme in mehr oder weniger geläufigem Englisch
fragt, ob er Hilfe brauche. Fremdsprachenkenntnisse sind jedoch verhältnismäßig
wenig verbreitet. Zwar haben alle in der Schule Englisch gelernt, doch niemand
möchte sich mit Fehlern blamieren. Nur der Wunsch zu helfen ist stärker
als die Schüchternheit.
Wirtschaft
Die japanische Industrie ist dual strukturiert: Auf der einen Seite stehen mit
hochmodernen Anlagen ausgestattete, exportorientierte Großunternehmen mit
vielen kleinen abhängigen Zulieferunternehmen. Auf der anderen Seite gibt
es strukturschwache Industriebereiche mit geringem Außenwirtschaftsbezug
und die wenig wettbewerbsfähigen, von ausländischer Konkurrenz abgeschotteten
Bereiche Dienstleistungen, Landwirtschaft und Baugewerbe. Erst in jüngster
Zeit öffnen sich einzelne dieser Bereiche auch für ausländische
Wettbewerber. Das gilt insbesondere für Finanzdienstleistungen und Handel.
Importkonkurrenz hat auch im Falle Japans zur Verlagerung von Produktionsstätten
vor allem ins südostasiatische Ausland und nach China geführt.
Auslandsinvestitionen
Ausländische Direktinvestitionen in Japan erreichten im Fiskaljahr 2000 (bis
Ende März 2001) mit 28 Mrd. USD einen neuen Rekord. Diese konzentrierten
sich auf den Telekommunikationssektor, erleichtert durch Deregulierungsmaßnahmen,
und den Finanzsektor, begünstigt durch Restrukturierungsmaßnahmen bei
Banken und Versicherungen. Der größte Investor waren die USA. Aber
schon der zweitgrößte Investor war Deutschland mit 2,5 Mrd. USD, der
vorwiegend in den Automobil- und Pharmabereich investierte. In der ersten Hälfte
des Fiskaljahres 2001 (neuere Zahlen liegen noch nicht vor) nahmen die ausländischen
Direktinvestitionen mit der konjunkturellen Abschwächung um ein knappes Drittel
im Vorjahresvergleich ab.
Die japanischen Direktinvestitionen im Ausland sanken dagegen im Fiskaljahr 2000
um 27% auf 48 Mrd. USD. Großbritannien war der größte Empfänger
(vorrangig im Telekommunikationssektor), gefolgt von den USA. Dagegen stiegen
die Investitionen in China um ein knappes Drittel. Auch die Investitionen in Zentraleuropa
nahmen zu, besonders in der Automobilbranche.
Die japanischen Investitionen in Deutschland brachen dagegen in 2000 um 50% auf
320 Mio. USD-Dollar ein. Damit lag Deutschland nur noch an 5. Stelle der von japanischen
Unternehmen in der EU getätigten Investitionen.
Kontaktadressen:
Japan External Trade Organisation (JETRO)
Promenadeplatz 12
D-80333 München
Tel: (089) 2 90 84 20
Telefax: (089) 29 08 42 89
Japan Chamber of Commerce and Industry (Nippon Shoko Kaigi-sho), 3-2-2, Marunouchi,
Chiyoda-ku
Tokyo 100
Tel: (03) 32 83 76 02
Telefax: (03) 33 21 64 97
Rosa Alcalá Lombardo, Fachübersetzungen Alcalá, Regensburg